Der Glaube an das Jenseits

Eines der Glaubensgrundsätze ist der Glaube an das Jenseits.

Was bedeutet Jenseits?

Alles, denn Gott hat ein Ende. Auch die Welt wird zu ihrem Ende kommen und wie alle Lebewesen eines Tages vergehen. Allah allein ist der Unvergängliche und ewig Lebendige. Wenn das Ende der Welt(en) kommt, so wird Allah Israfil befehlen und dieser wird ins Rohr blasen. Damit wird die Welt ihr Ende nehmen und alles auf ihr sterben, außer jenen die Allah leben lässt. Diese werden später sterben. Dies ist das Weltenende.

Im Koran heißt es dazu: “Ihr Menschen! Fürchtet euren Herrn! Das Beben der Stunde (des Gerichts) ist etwas Gewaltiges. Am Tag, da ihr es erleben werdet, wird jede stillende (Frau in ihrer Bestürzung) vergessen, (weiter) auf ihren Säugling zu achten, und jede, die schwanger ist, (vorzeitig) zur Welt bringen, was sie trägt. Und man könnte die Menschen (dann) für betrunken halten, ohne daß sie es (in Wirklichkeit) sind. Die Strafe Allahs ist eben schwer.“ (Koran, 22/1-2)

Wann wird das Weltenende stattfinden?

Das das Weltenende eintreten wird ist gewiss, doch den Zeitpunkt kennt Allah allein. Auch unser Prophet tat kund, dass er über den Zeitpunkt nicht bescheid weiß. Was allerdings gewiss ist, ist, das eines Tages die Ordnung der Welt ein Ende nehmen wird, die Sonne erlöschen, die Sterne herabfallen, die Meere toben, die Berge zerfallen und der ganze Kosmos zusammenbrechen wird. Hieran gibt es keinen Zweifel, denn es wurde berichtet vom Koran und vom Propheten.

Die Auferstehung

Mit dem Weltenende wird alles verschwinden und Allah allein wird existent sein. In diese kosmische Leere wird Israfil auf Befehl Gottes ein zweites Mal die Psaune blasen.

Daraufhin werden alle Lebewesen auferstehen und sich am Platz der Auferstehung versammeln. Das Gericht, das Paradies oder die Hölle kommen erst nach dieser Auferstehung.

Das Leben nach dieser Auferstehung nennt man das Leben im Jenseits. An das Jenseits zu glauben, bedeutet auch an dies alles zu Glauben. Es gibt eventuell welche, die nicht begreifen können, wie es denn eine Auferstehung geben kann. Diese sollten sich Gedanken machen, wie sie denn auf die Welt gekommen sind. Allah, der uns aus dem Nichts erschaffen hat, vermag uns auch wieder zu erschaffen. Der Koran besagt, dass die Wiedererschaffung leichter ist als die Ersterschaffung. Sicherlich, einfach und schwer, sind nur Vergleiche zum Verständnis, für Gott gibt es kein Schweres. Er spricht nur “Sei” und es wird.

Vorteile des Glaubens an das Jenseits

Wer an das Jenseits glaubt und weiß, dass er Rechenschaft vor Allah ablegen muss, wird die Ge- und Verbote Allahs befolgen. Er wird der Sunna unseres Propheten folgen und seine Tugend sich eigen machen. Er wird seiner Familie, seinen Mitmenschen nützlich sein und seine Aufgaben auf das Beste erfüllen. Er wird gute nachbarschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen pflegen. Er wird sich vor Lügen und Hintergehen hüten. Er wird Gutes tun, sofern er Gutes zu tun vermag. Jemand, der glaubt, dass er nicht allein von seinen Taten, sondern auch von seinen Gedanken zur Rechenschaft gezogen wird, wird sein Herz rein halten.

Tod, Grabesleben und Auferstehung

Der Tod

Jedes Lebewesen wird sterben. Dies ist Befehl Gottes. Doch keiner weiß, wann und wo genau er sterben wird. So wie es Menschen gibt, die alt werden und sterben, so sterben auch junge Menschen.

Der Tod ist die Trennung der Seele vom Leib und die Wanderung des Menschen vom Diesseits ins Jenseits.

Hierzu heißt es im Koran: “Jede Seele wird (einmal) den Tod erleiden. Und erst am Tag der Auferstehung werdet ihr (für eure Taten) euren vollen Lohn bekommen. Wer dann vom Höllenfeuer ferngehalten wird und ins Paradies eingehen darf, hat (das große Glück) gewonnen. Das diesseitige Leben ist nichts als eine Nutznießung, durch die man sich (allzu leicht) betören lässt“. (Koran, 3/185)

Das Leben im Grab

Das Grab ist eine Übergangsstelle zwischen dem diesseitigen und dem jenseitigen Leben. Im Grab wird man auch geprüft. Wenn der Mensch in sein Grab gelegt wird, kommen zwei Engel, Munker-Nekir. Sie stellen dem Toten folgende Fragen: “Wer ist dein Herr? Wer ist dein Prophet? Was ist deine Religion?”.

Der Gläubige antwortet auf diese Fragen: “Mein Herr ist Allah, mein Prophet ist Mohammed, Meine Religion ist der Islam”. Die Engel freuen sich auf diese Antwort und beglückwünschen den Gläubigen. Das Grab wird diesem Menschen ein Paradiesgarten. Er genießt bereits hier die Freuden des Paradieses.

Der Ungläubige jedoch wird diese Fragen nicht beantworten können. Für ihn wird die Grabesstätte zu einer Hölle und er erfährt bereits hier die Strafe. Unser Prophet sagt hierzu:

“Das Grab ist entweder ein Garten des Paradieses oder ein Graben der Hölle.” Um im Grabe geprüft zu werden, muss man nicht unbedingt begraben werden. Auch Verstorbene, die aus welchen Gründen auch immer nicht begraben wurden, werden geprüft.

Allein für die Propheten und die als Kind verstorbenen gibt es keine Prüfung.

Der Platz der Versammlung

Die vom Grabe auferstandenen Menschen werden es nicht leicht haben, bis sie auf dem Platz der Auferstehung versammelt sind. Entsprechend ihrer diesseitigen Taten werden manche Menschen ganz schnell am Ort der Versammlung sein, während andere langsam oder gar kniend zum Versammlungsort kommen werden. Am Versammlungsort werden einige im Schatten des höchsten Himmels verweilen, während andere in Schweiß baden werden. Der Tag der Auferstehung ist so gewaltig, dass vor ihm selbst die Propheten ihre Zuflucht bei Allah gesucht haben. An jenem Tag wird jeder mit sich selbst beschäftigt sein und keiner wird acht geben können selbst auf seine Nächsten.

Im Koran wird zu diesem Tag gesagt: “Am Tag, da der Mann vor seinem Bruder flieht, seiner Mutter und seinem Vater, seiner Ehegefährtin und seinen Söhnen – an jenem Tag ist (nämlich) ein jeder von ihnen vollauf mit seiner (eigenen) Angelegenheit beschäftigt -, an jenem Tag wird es strahlende Gesichter geben, die lachen und fröhlich sind, und andere, die mit (einer) Staub(schicht) bedeckt sind, und auf denen eine Trübung liegt. Das sind die Ungläubigen und Sünder.“ (Koran, 80/34-42)

Der Tag der Auferstehung ist ein Tag des Lohnes und der Strafe. Wer an Allah glaubte und seine Gebote einhielt, den wird Allah belohnen, die Ungläubigen jedoch erwartet eine harte Strafe. Auch die kleinste gute Tat wird belohnt und die noch so kleine schlechte bestraft. Im Koran heißt es hierzu: “Wenn dann einer (auch nur) das Gewicht eines Stäubchens an Gutem getan hat, wird er es zu sehen bekommen.“ ( Koran, 99/7-8).

Die Gläubigen werden an jenem Tag des Glückes sein, die Ungläubigen werden sich wünscht Staub zu werden.

Das Buch der Taten

Den Menschen wird am Ort der Versammlung ihr Tatenbuch ausgehändigt, in welchem ihre guten und schlechten Taten aufgezeichnet sind. Dieses Buch ist aufgezeichnet von den Engeln, die als Schreiber beauftragt sind. Der Mensch wird hierin auch noch die kleinste seiner Taten wieder finden und sprechen:

“Wehe uns! Was ist mit dieser Schrift? Sie läßt (ja) weder etwas Kleines noch etwas Großes aus.“ (Koran, 18/49)

Die Bücher werden den Gläubigen von ihrer rechten, den Ungläubigen von ihrer linken Seite ausgehändigt und es wird gesagt: “Lies deine Schrift! Du selber wirst heute (auf Grund deiner Schrift streng) genug mit dir abrechnen.“ (Koran, 17/14)

Das Gericht

Die Menschen werden am Ort der Versammlung lange stehen und warten, bis das

Gericht startet. Schließlich wird auf flehen unseres Propheten die Verhandlung aufgenommen. Niemandem wird unrecht getan. Unser Prophet verkündet, dass “keiner seinen Ort verlassen wird, ehe er nicht Rechenschaft ablegt von dem, wie er sein Leben verbrachte, wo er seinen Körper nutzte, was er erworben und ausgegeben hat und wie er sein Wissen benutzt hat“ (Tirmidi, Kiyame, 1)

Die Waage

nachdem die Abrechnung vollendet ist und jeder zu seinem Recht gekommen, wird eine Waage gegründet, dessen Art und Weise Allah allein kennt. Hier werden die guten und schlechten Taten jedes Einzelnen gewogen. Wessen schlechte Taten schwerer wiegen ist unter den Verlierern. So heißt es denn auch im Koran:

“Wer (dann auf Grund seiner guten Werke) schwere Waagschalen hat, hat ein angenehmes Leben (im Paradies). Wer (dann) aber leichte Waagschalen hat, wird die Haawiya sein Endziel sein. Doch wie kannst du wissen, was das bedeutet? Loderndes Feuer.“ (Koran, 101/6-11)

Die Brücke

Hierbei handelt es sich um eine Brücke, die dünner ist als das Haar und schärfer als die Zunge des Schwertes. Wie geht man über diese Brücke? Die Gläubigen werden über diese Brücke gehen und die Brücke wird sich ihnen weiten entsprechend ihrer guten Taten. Die Ungläubigen jedoch werden diesen Weg nicht überbrücken können und in die Hölle fallen.

Paradies und Hölle

Das Paradies ist ein Ort der Entlohnung. Gott wird hier diejenigen unterbringen, die Ihn kannten und Seine Ge- und Verbote befolgten. Wer das Paradies betritt, dessen Wünsche sind erfüllt. Die Gläubigen werden hier auf ewig weilen.

Die Hölle hingegen ist ein Ort der Strafe. Jene, die Allah nicht kannten und sich Ihm widersetzten, werden hier eine endlose Strafe erleiden. Auch die sündigen Gläubigen werden hier verweilen, bis ihre Sünden beglichen sind und sie ins Paradies treten. Paradies und Hölle sind gegenwärtig existent, doch wissen wir nichts über ihren realen Ort.

Die göttliche Barmherzigkeit

Gottes Barmherzigkeit gebührt allem Seienden, doch insbesondere dem Menschen. Denn Er ist der Barmherzige, der Allerbarmer. Allahs Barmherzigkeit ist allumfassend. Unser Sein und all die Gaben, derer wir besitzen, sind Ergebnis Seiner Barmherzigkeit.

Die Barmherzigkeit einer Mutter zu ihrem Kinde ist nichts gegenüber der Barmherzigkeit, die Allah Seinen Dienern zeigt. Wie im Diesseits, wird Allah auch im Jenseits Seinen Dienern barmherzig sein. Vielmehr wird Seine Barmherzigkeit im Jenseits viel größer sein als Seine Barmherzigkeit im Diesseits. Denn Allah trennte Seine Barmherzigkeit in hundert Teile und bewahrte 99 davon für das Jenseits auf. Die Barmherzigkeit unter den Lebewesen und

Menschen ist Ergebnis des einen Teiles, den Gott für das Diesseits verwandte.

Die Fürbitte unseres Propheten

Fürbitte meint, dass die Propheten Allah dahingehend anbeten, dass den sündigen Gläubigen ihre Sünden verziehen, den Sündenfreien ihre Stufe erhöht werde. Am Tag des Gerichts werden alle Propheten Fürbitte einlegen. Die Menschen werden an jenem Tage in ihrer Bedrängnis beginnend mit Adam alle Propheten aufsuchen und um Fürbitte ersuchen. Doch die Propheten werden sagen, dass ihnen noch nicht die Erlaubnis hierzu gekommen sei. Schließlich werden die Menschen zu Mohammed kommen, dieser wird mit der Erlaubnis Allahs Fürbitte einlegen. Erst dann werden auch die anderen Propheten Fürbitte einlegen. An jenem Tage wird unser Prophet für alle Gläubigen Fürbitte einlegen. So heißt

es in einem Hadith:

Am Tage des Gerichts werde ich Fürbitte einlegen und sprechen: “Mein Herr, wer auch nur ein Körnchen Glauben in seinem Herzen trägt, ihn bringe ins Paradies”. Diese werden ins Paradies kommen. Daraufhin werde ich bitten “Mein Herr, bringe auch die ins Paradies, die weniger als ein Körnchen Glauben im Herzen tragen“. (Buhari Tevhid, 36)

Im Jenseits werden selbst die Ungläubigen hoffen angesichts der Barmherzigkeit Gottes.

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