Der Glaube an Fügung (Qada) und Schicksal (Qadar)

Eines der Glaubensgrundsätze ist der Glaube an Fügung und Schicksal.

Fügung (Qada)

Das urewige Wissen und das Fügen Gottes hinsichtlich Ort, Zeit und Eigenschaft der Geschehnisse.

Schicksal (Qadar)

Das göttliche Eintreten lassen der göttlichen Fügung. In anderen Worten beinhaltet Fügung die Gesetze und Gesetzmäßigkeiten und die Schicksal die Fälle, die in dieser Gesetzmäßigkeit eintreten. Allah ist der Erschaffer alles Seienden. Es gibt keinen Schöpfer außer Ihm. Allah weiß alles Geschehen, Geschehene und Geschehende. Die Geschehnisse finden statt, so wie sie im Wissen Allah waren. Nichts geschieht außerhalb seines Wissens und Seiner Bestimmung. Im Koran heißt es: “Kein Unglück trifft ein, weder (draußen) im Land noch bei euch selber, ohne dass es in einer Schrift (verzeichnet) wäre, noch ehe wir es erschaffen. Dies (alles zu wissen) ist Allah ein leichtes.”51

“Sag: Uns wird nichts treffen, was nicht Allah uns vorherbestimmt hat. Er ist unser Schutzherr. Auf Allah sollen die Gläubigen (immer) vertrauen.“ (Koran, 9/51). Dies ist also Fügung und Schicksal. Im Kontext von Fügung und Schicksal sind Wissen, Wollen und Schaffen als göttliche Eigenschaften von Bedeutung.

Alles geschieht im Willen und durch das Schaffen Gottes. Hierüber gibt es keinen Zweifel. Doch stellt sich hier die Frage: “Wenn denn Allah alles bestimmt, wieso sind wir verantwortlich, so wir den Ge- und Verboten zuwider handeln? Denn wir tun dies ja auch wegen und in der Bestimmung Gottes.”

Diese Frage wollen wir folgend beantworten: Allah hat die Menschen geschaffen und ihnen Entscheidungsfähigkeit gegeben. Der Mensch hat über seinen Willen und seine Entscheidungsfähigkeit zu trennen zwischen Gut und Böse. Diese Fähigkeit des Menschen nennt man das partielle Wollen. Entsprechend dessen, wie wir unsere diese Entscheidungskraft benutzen, schafft Allah uns Umstände. Wir können nicht etwas Schlechtes tun oder – Gott bewahre – einen Mord begehen und uns freisprechen, indem wir sagen, Gott wollte es so. Denn wir können unsere Taten nicht auf die Fügung gründen. Unser partielles Wollen bezweckt, dass Allah die Dinge so kommen lässt, wie sie kommen.

Um ein Beispiel zu geben: Wenn ein Astronom die Sonnenfinsternis berechnet und diese Sonnenfinsternis entsprechend eintritt, dann ist die Finsternis nicht auf das Wort des Wissenschaftlers eingetreten, sondern der Wissenschaftler hat es nur vorher gewusst.

Ebenso weiß Gott unsere Taten noch ehe wir sie tun. Er weiß was wir frei entscheiden werden noch ehe wir entscheiden. Wir entscheiden nicht, weil er weiß. Ohnehin wissen wir nichts über unsere Fügung, wir entscheiden im freien Willen.

Der Nutzen des Glaubens an Fügung und Schicksal

Wer an die Fügung glaubt ist geduldig. Wenn ihm Schlechtes widerfährt, so verfällt er nicht in Hoffnungslosigkeit. Er weiß, dass dies Gottgegeben ist und duldet. Wenn er selbst etwas Schlechtes verursacht, so sucht er seine Zuflucht bei Allah und verfällt wiederum nicht in Hoffnungslosigkeit.

Hingabe (Tawwakkul) und Arbeit

Hingabe

Hingabe ist das Vertrauen des Menschen auf Gott. Dies ist eine geistige Kraftquelle für den Menschen. Allah ist es, der die Menschen schafft und Ihnen gibt. Dem Menschen obliegt es zu tun, was in seiner Macht steht und dann auf Gott zu vertrauen. Der Bauer gibt ein gutes Beispiel hierfür. Er tut sein Bestes bei der Saat und belässt die gute Ernte dem Wohlwollen Gottes. Wer dies derart handhabt den belohnt Allah. So spricht unser Prophet: “So ihr euch rechtens Hingeben könntet würde Allah euch nähren, wie Er die Vögel nährt, die hungrig aufbrechen und satt zurückkehren.“ (Tirmidi, Zuhd, 33)

Dies zeigt offenkundig, dass zur Hingabe auch die Arbeit gehört. Denn den Vögeln kommt ihre Nahrung nicht angeflogen. Sie haben diese zu suchen. Also ist Hingabe nicht, dass der Mensch sich sein lässt und wartet, dass ihm die Gaben zufliegen.

Unser Prophet ist hier, wie überhaupt ein gutes Vorbild. Er tat in allem sein Bestes und vertraute dann auf Allah. Als jemand den Propheten fragte ob er sich der Fügung Gottes hingeben soll bevor er sein Kamel an einen Baum anbinde oder danach, antworte der Prophet “binde ihn an und gebe dich hin”. (Tirmidi, K›yame, 60)

Wer so handelt wird nicht traurig, wenn er nicht sein Ziel erreicht, er spricht, “ich tat mein Bestes doch Gott fügte es anders.”

Die Bedeutung des Strebens

Allah versprach all seine Geschöpfe zu nähren und schuf Mittel, um zu diesen Gaben zu gelangen. Es ist am Menschen diese Mittel zu nutzen um Gottes gaben zu erlangen. Es ist falsch zu denken “was mir zusteht wird mich finden” oder zu sagen, “Ich gebe mich hin, damit das mir Zustehende mich finde”. Dies ist keine Hingabe.

Allah gibt jenen die streben und suchen. Es ist falsch auf Fügung und Schicksal zu hoffen und nichts zu tun. “Uns obliegt die Arbeit, Allah ist der Gebende”, dies ist die Essenz des Fügungsglaubens. In der Tat gebührt dem Menschen nur das Ergebnis seiner Taten, dies sagt auch der Koran.

Die Zuteilung und die Ereilung

Die Zuteilung: Sie umfasst alles, was Allah seinen Geschöpfen an Gaben zugesprochen

hat. Alles also, was einem Geschöpf von jeher zusteht, damit er sein Sein führen kann. “Allah ist es, der die Zuteilung schafft. Es gibt keinen Zuteilenden denn Ihn.“ (Koran, 11/6) Allah gibt dem Menschen die Zuteilung auf dem Weg, auf dem es der Mensch sucht. Doch wenn der Mensch die Zuteilung auf unrechtem Wege sucht, so begeht er eine Sünde. Denn Allah befiehlt den rechten Weg bei der Suche nach der Zuteilung: “Ihr Menschen! Esst von alledem, was es (an Essbarem) auf der Erde gibt, soweit es erlaubt und gut ist!“ (Koran, 2/168). Jeder bekommt das, was ihm zugeteilt ist. Keiner kann die Zuteilung eines anderen bekommen.

Ereilung: Allah hat für jedes Seiner Geschöpfe eine Lebenszeit festgesetzt. Das Ende dieser Zeit nennt man die Ereilung. Wenn die Zeit der Ereilung angebrochen ist, so holt einen der Tod ohne die geringste Verzögerung. Allah ist der Leben gebende und Sein ist die Endigung. Es gibt keinen anderen, der Leben geben und nehmen kann. Jeder hat nur eine Ereilung. Auch der Ermordete und durch Unfall gestorbene ist mit der Ereilung gestorben.

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