Die heiligen Bücher und Schriften

Allah hat den Menschen nicht auf sich selbst gestellt gelassen, sondern ihm mit seinen Propheten den rechten Weg gewiesen. Die Propheten haben verkündet, was sie von Allah an Offenbarung erhalten haben. Diese Offenbarungen sind festgehalten in den heiligen Schriften und Büchern.

Manche der Offenbarungsschriften umfassen lediglich einige Seiten, diese nennt man denn auch Offenbarungsseiten (Suhuf) Die anderen sind die vier großen Offenbarungsbücher.

Die Seiten (Suhuf)

  • 10 Seiten erhielt Adam
  • 50 Seiten erhielt Schiet
  • 30 Seiten erhielt Idris
  • 10 Seiten erhielt Abraham

Heute ist keines dieser Seiten erhalten geblieben.

Die vier großen Offenbarungsschriften

  • Die Psalmen wurden David offenbart
  • Die Thora wurde Moses offenbart
  • Die Bibel wurde Jesus offenbart
  • Der Koran wurde Mohammed offenbart

Außer große Teile der Psalmen sind diese Bücher weitgehend erhalten.

Die Thora

Die Thora besteht aus verschiedenen Texten, die zu verschiedenen Zeiten aufgezeichnet oder überliefert wurden. In ihr sind eventuell wahre Worte Moses erhalten. Nach Moses Versterben teilten sich die Söhne Israels untereinander auf Grund von Kriegen und diese verloren ihre Vormacht, wurden sogar versklavt. Auch viele Herrscher nach Salomo hatten von der Religion Moses abgelassen. Folglich konnten die Religionstexte nicht in ihrer ursprünglichen Form erhalten werden. Im Jahre 622 v. Chr. hat Ezra die Thoratexte und -überlieferungen zusammengestellt. Diese Zusammenstellung wird als das Buch Thora angesehen. Die Texte des Alten Testaments finden wir heute in hebräischer, griechischer und samirscher Sprache. Im Koran wird das Abweichen vom Urtext angesprochen (Koran, 6/9).

Die Bibel

Die Bibel (das Neue Testament), die wir heute in der Hand halten ist von verschiedenen Autoren verfasst. Die vier kanonischen Bücher des Neuen Testaments beinhalten z.T. voneinander abweichende Themen und Aspekte. Wie bekannt gibt es die Bücher Lukas, Matthäus, Johannes und Markus. Im geistlichen Konzil des Jahres 325 einigte man sich auf diese vier Bücher unter zahlreichen anderen Bibeltexten. Wir Muslime glauben, dass vor dem Koran Thora, Bibel und die Psalmen sowie weitere Offenbarungsseiten von Gott offenbart wurden, doch die gegenwärtigen Texte weichen von diesen Urtexten ab.

Die Herabsendung des Koran

Die ersten Verse die der Prophet erhalten hat sind die ersten fünf Verse der Sure el-Alak. Diese Verse wurden offenbart als der Prophet sich in der Höhle Hira befand.

Unser Prophet verließ manchmal Mekka und blieb tagelang in der nördlichen Hira Hölle, wo er in Gebet und Gedenken sich vertiefte. Im Jahre 610 im Monat Ramadan befand sich der Prophet in dieser Hölle als der Engel Gabriel herabkam und ihm gemeinsam mit den ersten fünf Versen der Sure el-Alak die Prophetenschaft überbrachte.

Der Koran wurde nicht als ganzes und auf einmal offenbart, sondern abschnittsweise in einem Zeitraum von 23 Jahren. Die offenbarten Abschnitte ließ der Prophet den Schreibern aufzeichnen. Die Gefährten lernten sie auswendig. Über jeden neuen Abschnitt sagte der Prophet, wo es im Koran hingehörte und es wurde an diese Stelle gesetzt. Denn wie der Koran nicht vollständig offenbart war, so ward er auch nicht in der heutigen Reihenfolge offenbart. Manchmal wurden Verse offenbart, bevor eine Sure vollständig herabgesandt wurde. So stehen auch die ersten fünf offenbarten Verse heute in der sechsundneunzigsten Sure. Ein Teil des Korans wurde in Mekka, ein anderer Teil nach der Auswanderung in Medina offenbart. Von den 114 Suren des Koran sind 87 in Mekka und 27 in Medina herabgekommen.

Die Aufzeichnung des Koran

Die offenbarten Verse wurden von den Muslimen auswendig gelernt und von den Schreibern wieder geschrieben. Zu den Schreibern gehören die vier Khalifen Abu Bakr, Omar, Osman und Ali sowie Zeyd bin Sabit, Ubey b. Ka’b und Halit bin Abu Sufyan. Die Schreiber notierten die Verse auf Stein, Knochen, Dattelblätter und auf Tierfell. Der Prophet wiederholte die Verse, damit hierbei keine Fehler gemacht werden. Somit war der Koran schon zur Zeit des Propheten geschützt. Als zu Kalifenzeit Abu Bakrs 70 Koranrezitenten zu Yemame getötet wurden, bildete der Kalif unter Aufsicht des Schreibers Zeyd bin Sabit eine Komission. Diese Komission brachte den Koran als Buch zusammen, indem sie auf die Niederschriften und das Wissen zahlreicher Koranrezitatoren zurückgriff. Dieses Buch blieb als Originalexemplar beim Kalifen.

Die Vervielfältigung der Exemplare

Auf Grund von Eroberungen zu Zeiten Osmans, kam es zu regional unterschiedlichen Lesarten. Daraufhin hat der Kalif erneut unter der Aufsicht Zeyd bin Sabits eine Kommission zusammengerufen. Diese Kommission erstellte sieben Kopien des Originalexemplars, welches sich zu der Zeit bei Hafsa, der Tochter Omars, befand.

Der Kalif sandte diese Kopien an verschiedene Zentren, um falschen Lesarten vorzubeugen. Einige dieser Exemplare sind bis heute erhalten. Somit war der Koran niedergeschrieben und bis heute getragen, sowie er dem Propheten offenbart wurde. (Koran, 15/9)

Die Eigenschaften des Koran

Das arabische Wort Koran bedeutet wörtlich Lesung. Im religiösen Sinne meint Koran das Buch, welches Allah unserem Propheten offenbart hat und welches bis heute unverfälscht erhalten geblieben ist.

Demnach hat der Koran folgende Eigenschaften:

  • Der Koran wurde unserem Propheten offenbart

Der Koran wurde unserem Propheten vermittels Gabriel in arabische Sprache offenbart. Er ist das Wort Gottes. Es ist unmöglich etwas ihm sprachlich überlegeneres hervorzubringen. Dies sagen auch die nicht Gläubigen arabischen Literaten. Deswegen werden die Zweifler am Worte Gottes aufgerufen etwas ihm Gleiches zubringen.

Hierzu heißt das im Koran: “Und wenn ihr hinsichtlich dessen, was wir auf unseren Diener (als Offenbarung) herabgesandt haben, im Zweifel seid, dann bringt doch eine Sure gleicher Art bei und ruft, wenn (anders) ihr die Wahrheit sagt, an Allahs Statt eure (angeblichen) Zeugen an!” (Koran, 2/23)

In der ersten Zeit der Offenbarung haben viele versucht etwas dem Koran ebenbürtiges hervorzubringen, doch sind sie alle gescheitert.

  • Der Koran wurde originalgetreu überliefert

Wie es keinen Zweifeln daran gibt, dass der Koran das Wort Allahs ist, so besteht

auch kein Zweifel darüber, dass er bis heute originalgetreu überliefert wurde. Originalgetreu in diesem Sinne meint, dass er von einer so großen Anzahl von Menschen überliefert ist, dass eine Fälschung ausgeschlossen bleibt. Derart wurde der Koran bis in die Gegenwart hinein von Generation zu Generation weitergegeben.

  • Der Koran wurde in Buchform erhalten

Wie bereits erwähnt, wurde der Koran Vers für Vers, Sure für Sure offenbart. Die Offenbarungen wurden auswendig gelernt und niedergeschrieben. Später wurden diese Niederschriften zu einem Buch zusammengestellt. Dies ist eine weitere Besonderheit des Koran.

  • Wort und Bedeutung des Korans sind göttlich

Der Koran ist in jeder Hinsicht ein Wunder. Nicht nur hinsichtlich seiner Bedeutung auch in seinem Wortlaut ist er ein Wunder. Denn er ist nicht das Wort Mohammeds, sondern das Wort Allahs. Deswegen ist es auch keinem möglich, etwas ihm ebenbürtiges vorzulegen. Der Koran sagt in diesem Zusammenhang: “Sag: Gesetzt den Fall, die Menschen und die Dschinn tun sich (alle) zusammen, um etwas beizubringen, was diesem Koran gleich(wertig) ist, so werden sie das nicht können. Auch (nicht), wenn sie sich gegenseitig (dabei) helfen würden.” (Koran, 17/88)

Trotz zahlreicher Versuche wurde nicht einmal etwas vorgelegt, was auch nur den kurzen Suren des Korans gleichen würde. Dies wird auch nie möglich werden. Denn der Koran ist Gottes Wort. Religiöse Überzeugung 55 Also ist der Koran nicht allein in seiner Bedeutung, sondern auch in seinem Wortlaut wunderbar.

Unsere Aufgaben dem Koran gegenüber

Wir können unsere Aufgaben dem Koran gegenüber wie folgt zusammenfassen:

a) Erkennen, dass der Koran Gottes Wort ist.

Der Koran ist nicht das Wort eines Menschen, sondern das Wort Gottes. Er ist in Wort und Bedeutung ein Wunder.

b) Den Koran lernen

Da der Koran Allahs Wort ist, ist er das schönste und erhabenste der Worte. Den Weg der diesseitigen und jenseitigen Glückseligkeit weist der Koran. Deswegen lobte der Prophet jene, die den Koran lernen: “Der Beste unter euch ist wer den Koran lernt und lehrt” (Buhari, Fezailu’l Kur’an, 21)

Um den Lob des Propheten zu erlangen lernen und lehren die Muslime den Koran.

Den Koran zu lernen bedeutet ihn lesen und verstehen zu lernen. Um den Koran fehlerfrei zu lesen muss man die Rezitationsregeln kennen. Zu den Pflichten des Gebetes gehört die Koranrezitation. Ein Gebet ohne Koranrezitation ist ungültig. Deswegen ist es Pflicht so viel vom Koran zu lernen, als für das tägliche Gebet notwendig.

c) Umsetzen, was der Koran sagt

Den Koran lesen zu lernen bedeutet über seine Verse nachzudenken und seine Gebote zu befolgen. Dies ist auch der Sendungsgrund des Koran. “(Der Koran ist) eine von uns zu dir hinabgesandte, gesegnete Schrift (und wird den Menschen verkündet), damit sie sich über seine Verse Gedanken machen, und damit diejenigen, die Verstand haben, sich mahnen lassen.” (Koran, 38/29)

Deswegen sollte jeder Moslem den Koran lernen und auf sein Wort hören. Das schlichte Rezitieren, ohne seine Gebote zu befolgen und die Moral zu verstehen und im Leben umzusetzen, ist ungenügend. So heißt es beispielsweise im Koran: “Meidet falsche Aussagen!” (Koran, 22/30)

Wer diese Verse liest und trotzdem lügt und trügt, hat seine Aufgabe dem Koran gegenüber nicht erfüllt.

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